Zomba – Alte Hauptstadt Malawis

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This entry is part 3 of 5 in the series Afrikanische Eindrücke – Malawi

Nächster Stopp: Zomba

Freitag, 8.3.13
Heute verlassen wir am späten Vormittag das Mvuu Camp auf dem Wege, den wir gekommen sind. Es geht auf dem Wasser zurück zum Hippo’s View. Dort erwartet uns schon Isaac mit dem Bus. Wir fahren ca. 60 km, vorbei an der alten Hauptstadt Zomba zu unserem nächsten Reiseziel, dem Ku-Chawe-Inn. Diese Ferienanlage mit terrassenförmigem Garten befindet sich in ca. 1500 m Höhe im Gebiet des Zomba-Plateau-Naturschutzgebiets. Von Zomba führt eine asphaltierte Straße 7 km bergauf zum Hotel. Der Wald rechts und links mutet europäisch an, die Häuser und Gärten entlang der Strecke sind gepflegt. Vor der Einfahrt zum Hotel stehen die üblichen Souvenirhändler, ansonsten ist hier Natur pur. Auf der Terrasse des Hotels wird uns ein Lunch serviert. Leider ist die Bedienung etwas langsam, so dass wir Gefahr laufen, uns einen Sonnenbrand zu holen, wenn wir uns nicht in den Schatten verziehen.

Während wir aufs Essen warten, bittet Claudia Isaac, seinem Arbeitgeber in unser aller Namen ausdrücklich dafür zu danken, dass er uns Touristen und den einheimischen Reiseleiter im selben Hotel unterbringt. Zu unserem Erstaunen erfahren wir, dass das Reisebüro sich hierbei nach den Wünschen der Gäste richtet. Während Deutsche und Amerikaner gern mit dem Reiseleiter in derselben Unterkunft wohnen, wäre das für Engländer und Holländer nicht standesgemäß. Wenn Isaac also eine englische oder holländische Gruppe führt, wohnt er stets separat.

Nach dem Lunch spaziere ich bergab zum Mulunguzi-Stausee, der etwa auf halber Höhe zwischen dem Ku-Chawe-Inn und Zomba liegt. Nach einer guten Stunde komme ich dort an. Ich finde einen gepflegten Rastplatz mit gemähter Wiese, Grillplatz, einer Bank und sogar einigen noch nicht eingepflanzten Setzlingen. Der Stausee mit Zufluss gibt ein tolles Fotomotiv ab. Da die Strecke bergauf sicher etwas beschwerlicher sein wird, mache ich mich schon bald wieder auf den Rückweg. Ich bin 10 Minuten unterwegs, da kommt mir Sibylle entgegen. Wir gucken uns den Stausee noch einmal gemeinsam an, als ein älterer Malawi erscheint und sich als Hüter des Rastplatzes vorstellt. Er führt uns herum, erzählt, dass er hier alles sauber halte und verlangt dann 200 Kwacha pro Person für die Führung. Er bekommt das Geld auch prompt, obwohl wir ihm seine Geschichte nicht glauben. Nun geht es zurück zum Hotel. Beim üblichen Dreigangmenü verzichten wir inzwischen auf einen der Gänge. In diesem Urlaub werden wir gemästet. Da heute Frauentag ist, genehmige ich mir ein Glas Rotwein zum Essen. Danach gehen wir recht bald schlafen.

Alex, Zomba Malawi
Alex

Ausflug zum Zomba-Plateau

Heute geht es mit dem Jeep ca. 2080 m hoch aufs Zomba-Plateau. Isaac stellt uns die beiden Jeepfahrer vor. Zu unserem größten Vergnügen heißt einer der Fahrer Trouble. Wir erfahren, dass malawische Eltern ihre Kinder häufig danach benennen, wie sie sich die Entwicklung ihrer Sprösslinge vorstellen. So kommt es zu Namen wie „Stanford“ (Stanford University, USA) oder eben „Danger“ und „Trouble“.
Auf unserem Weg zum Plateau kommen wir an Seen und Wasserfällen vorbei, natürlich auch an Souvenirhändlern, die uns Mineralien anbieten, welche sie aus dem Boden ausgegraben haben. Oben angekommen, halten wir an mehreren Aussichtspunkten, von wo wir einen sagenhaften Blick auf Zomba und das noch höhere Mulanje-Gebirge haben. Am dritten Aussichtspunkt weisen uns die Fahrer auf ein sehr tiefes natürliches Loch hin, in das bis zum Ende des. 18. Jahrhunderts die Leprakranken geworfen wurden. Wenn die armen Teufel nicht schon durch den Sturz zu Tode kamen, mussten sie in dem Loch elendiglich verhungern.
Nun geht es langsam wieder zurück zum Ku-Chawe-Inn, vorbei an malerischen Bergwiesen und bunten Schmetterlingen.

Nachmittags haben wir Freizeit. Bille beschließt, nach Zomba zu laufen und sich in der Stadt umzugucken. Wir bitten sie, bei Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein. Es gibt hier keine Dämmerung und die Bergstraße ist nicht beleuchtet. Sibylle läuft kurz vor halb vier los. Auch ich gehe spazieren, und zwar in die andere Richtung. Wieder bin ich erstaunt über das fast europäische Bild, was sich mir bietet. Ich passiere eine Pferdekoppel und sehr gepflegte Grundstücke, eines davon ist das Feriendomizil einer einheimischen Bank, auch die amerikanische Botschaft hat in der Nähe ein Chalet. An Afrika erinnert hier nur die rote Erde und die Horde Schimpansen, die mir schon seit einiger Zeit folgt und mich beobachtet. Ich finde es recht lustig, wie die Affen in die einzelnen Gärten beiderseits des Weges eindringen und sich dort wie zu Hause fühlen.
Vor einem kleineren Grundstück dann Hundegebell. Vier kleine Hunde springen um einen Baum herum, auf den sich ein Schimpanse geflüchtet hat. Sie kläffen aus vollem Halse und man sieht ihnen die Lebensfreude an. Eine ältere Dame kommt an den Zaun, unterhält sich mit mir und lädt mich zum Tee ein. Auf dem Weg zu ihrem Haus zeigt mir die Dame, eine Engländerin, ihre Kaffeesträucher und ein paar Obstbäume. Dann führt sie mich auf die Terrasse ihres kleinen Hauses, wo schon ihr Mann auf den 5-Uhr-Tee wartet. Das Ehepaar, so erfahre ich, lebt seit 60 Jahren in Malawi, 40 davon in diesem kleinen Haus. Der Mann hatte in der britischen Armee als Russischdolmetscher gedient und wollte sich mit mir über russische Literatur unterhalten. Ich hatte große Mühe, meine Unwissenheit auf diesem Gebiet zu verschleiern. Die alten Leute ließen mich nicht ohne Begleitung zurück zum Hotel gehen. Ihr Angestellter Henry brachte mich bis vor die Tür meines Hotels. Unterwegs erzählte er mir etwas über die armen Holzsammler und über sein großes Glück, das darin bestand, dass er seinen Sohn mit dem Wagen seiner Arbeitgeber zur Schule fahren darf, wenn die Waldwege wegen des Regens unpassierbar sind.

Sonnenuntergang Africa Malawi

Bei Einbruch der Dunkelheit ist Sibylle noch nicht zurück. Claudia, besonders aber Isaac, machen sich Sorgen – ich auch ein wenig, mein Kind ist erwachsen, aber die mütterlichen Sorgen bleiben. Isaac erkundigt sich nach Sibylles Handynummer, kann sie aber nicht erreichen, weil sie noch den Flugzeugmodus eingestellt hat. Um 19:30 h klopft Sibylle an der Zimmertür. Hurra, die verlorene Tochter ist wieder da, niemand schimpft, alle sind froh. Sibylle hat in Zomba interessante Leute getroffen und etwas vom wahren malawischen Leben kennen gelernt. Sie ist total begeistert. Beim Abendbrot spendiere ich Isaac ein Bier und trinke ein Glas Rotwein auf Sibylles Rettung.

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