Erste Eindrücke von Malawi

This entry is part 1 of 5 in the series Afrikanische Eindrücke – Malawi

Auf nach Malawi

Montag, 4.3.13
Wir kommen pünktlich knapp 4 Stunden vor dem Abflug nach Johannesburg (Tswane) in Frankfurt an. Auf dem Flughafen haben sich gerade Flughafengegner versammelt, die nach der Melodie von „We shall not be moved“ – „Fraport – die Landebahn muss weg“ singen und den Wartebereich mehrmals topfschlagend und laut pfeifend durchqueren. Zwar ist die Fluglärmbelästigung für die betroffenen Ortschaften schlimm, doch wir sind nicht schuld an der Misere und fühlen uns daher nicht angesprochen.

Um 20:45 h startet unser supermoderner Airbus in Richtung Johannesburg. An jedem Sitzplatz gibt es einen Bildschirm mit individuellem Fernseh-, Radio- und Spielprogramm. Der Flug ist etwas rumpelig und ich kämpfe mit einer aufkommenden Übelkeit. Zum Glück muss ich nicht zur Tüte greifen. Schlafen kann ich nicht. Zum Fernsehen habe ich keine Lust, also höre ich mir die ganze Nacht Miriam Makeba als Endloskonserve an. Nach dem Frühstück reißt die Wolkendecke auf. Tswane kommt in Sicht. Ein wunderschöner Anblick. Welcome to Johannesburg, South Africa.

Ankunft in Lilongwe

Dienstag, 5.3.13
Wir haben etwa 90 Minuten Zeit zum Umsteigen. Sicher wird die Zahl der Passagiere mit Reiseziel Malawi überschaubar sein, so dass die Zeit für den Transfer ausreichen wird. Aber Pustekuchen: Der Flughafen Johannesburg ist Drehkreuz für ganz Afrika. Hier stehen für alle Durchreisenden nur zwei Schalter zur Verfügung, an denen die Transfervisa ausgestellt werden. Wir schätzen, dass ca. 300 Leute in der Schlange vor uns stehen, was uns etwas beunruhigt.

Schließlich werden die Passagiere für den jeweils nächsten Abflug aus der Schlange herausgefischt, wir erhalten unsere Stempel und rennen zum Gate des Malawifluges. Weiter geht es in einem kleineren Flugzeug. Noch liegen fast drei Stunden Flug vor uns. Wir bekommen ein ganz anständiges Mittagessen und können etwas schlafen, bevor wir in Lilongwe landen.
Bereits vor dem Einreiseschalter erwartet uns ein Vertreter des afrikanischen Partners von Meiers Weltreisen. Der junge Mann bittet um unsere Pässe, geht mit uns an der langen Schlange vorbei und wir passieren die Abfertigung als wären wir Diplomaten. Wir werden nun unserem künftigen Fahrer Isaac vorgestellt. Sein Kollege holt nur noch das dritte Mitglied unserer Reisegruppe – Claudia – eine vorzeitig pensionierte Grundschullehrerin aus Dortmund – ab, und auf geht es ins afrikanische Abenteuer.

Mit Claudia verbindet uns die Liebe zu Afrika. Sie reist seit 1980 mehrmals im Jahr für zwei Wochen nach Afrika und fühlt sich dort zu Hause – ebenso wie ich. Wir beschließen, uns zu duzen. Auf die Klimaanlage in unserem Kleinbus verzichten wir und einigen uns zur Freude unseres Fahrers auf Fensterlüftung. Unterwegs zur ersten Unterkunft sehen wir am Straßenrand rot und gelb blühende Akazien. Es ist sommerlich warm. Wir sind begeistert. Wir bleiben im Randgebiet von Lilongwe. Angeblich gibt es in der Hauptstadt nichts Sehenswertes. Endlich erreichen wir eine kleinere Lodge im Diplomatenviertel. Die Anlage heißt „13. Breitengrad“ und ist äußerst luxuriös. Unser Apartment besteht aus einem riesigen Raum, der in mehrere Ebenen unterteilt ist. Alles ist schwarz/weiß gehalten, was für einen Tag beeindruckt, aber bei mehrtägigem Aufenthalt wohl doch aufs Gemüt gehen würde. Zu ebener Erde gibt es einen kleinen Wohnbereich: einen Tisch aus Naturstein nebst weißer Eckcouch und schwarz gefliestem Fußboden. Von dort gelangt man über ein paar Stufen in den Schlafbereich mit riesigem Doppelbett, das unter einem Moskitonetz platziert ist und dessen verlängertes Kopfteil die Abtrennung zum Schicki-Micki-Bad bildet. Blickfang des Bades ist eine in den Boden eingelassene weiße Wanne mit einer schwarzbraunen Umrandung, auf welcher blütenweiße Handtücher arrangiert sind. Dann gibt es noch ein großes Waschbecken mit Spiegel, dazu seitlich angeordnet noch einen Ganzkörperspiegel und hinten rechts und links Schränke für die Sachen. Zwischen den Schränken befindet sich ein türloser Durchgang zur Toilette (links) und zur Dusche (rechts). Den Wohn-/Schlafbereich ziert ein riesiger Flachbildschirm. An einer Wand hängt ein großes Schwarzweißposter eines international bekannten Fotografen. Der Garten der Lodge ist eher klein.

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Nachdem wir von der afrikanischen Reiseleitung begrüßt worden waren, unternimmt Bille einen Spaziergang durchs Diplomatenviertel, während wir älteren Damen es uns im Garten bequem machen. Um 19 h ist es stockfinster. Das dreigängige Abendessen ist fürstlich. Sibylle mault, weil die wenigen anderen Gäste und auch das Personal piekfein angezogen sind und ich sie genötigt hatte, feine Sachen zu Hause zu lassen, da wir die meiste Zeit im Busch verbringen werden. Wir gehen früh zu Bett, der lange Flug sitzt uns noch in den Knochen und morgen müssen wir früh aufstehen.

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Auf Safari im Liwonde Nationalpark

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Mvuu Camp

Mittwoch, 6.3.13
Unser heutiges Tagesziel ist der Liwonde-Nationalpark, der ca. 260 km von Lilongwe entfernt ist. Ich muss Geld tauschen. Isaac telefoniert mit einer Bank, und die Transaktion erfolgt durch das Busfenster. Ich reiche meinen Euroschein heraus und nehme ein dickes Bündel Kwachascheine entgegen. Isaac weist uns auf einige Gebäude in der Hauptstadt hin, hält aber nirgends, da wir gegen 13 Uhr im Nationalpark erwartet werden. Entlang der Straße sehen wir die Häuser der Malawis. Zum Teil sind es kleine, aber ganz anständige Backsteinbauten mit Wellblechdach, aber auch Elendshütten und bewohnte Ruinen sind zu sehen. Märkte gibt es zu beiden Seiten der Straße. Das Land scheint sehr fruchtbar zu sein, immer wieder kommen wir an Maisfeldern vorbei.

In der Ferne werden Gebirgsketten sichtbar. Wir erreichen die Landstraße, die die Grenze zu Mosambik bildet. Rechts der Straße ist Malawi, links der Straße Mosambik. Man erkennt das an den Beschriftungen der Geschäfte. Rechts englisch, links portugiesisch. Ab und zu wird unser Wagen von Grenzposten kontrolliert. Nun kommt uns ein Konvoi entgegen. Wieder geraten wir in eine Kontrolle. Diesmal werden nicht nur die Isaacs Papiere geprüft, sondern auch uns wird tief in die Augen geblickt. Man grüßt uns freundlich und wir dürfen unsere Fahrt fortsetzen, während auf der Gegenfahrbahn die Limousine der Präsidentin vorbeirauscht.
Gegen 12 h halten wir auf der malawischen Seite der endlos langen Straße. Isaac übergibt jedem von uns ein Picknickpaket. Großen Appetit haben wir nicht, denn gegen 14 h sollen wir ja schon wieder Mittag essen. Mehr aus Höflichkeit machen wir uns über die Fresspakete her, wobei wir uns im Wagen verstecken, damit uns die armen Kinder nicht beim Essen zusehen müssen. Die noch unangerührten Reste übergeben wir Isaac, damit er sie an Bedürftige verteilt.

Weiter geht die Fahrt, seitlich und vorn erkennen wir Gebirge, ab und zu kommt auch ein Fluss ins Bild. Das ist schon der Shire, bedeutet uns Isaac. Endlich erreichen wir die Hippo View Lodge. Hier wird sich Isaac für die nächsten 2 Tage von uns verabschieden. Unser Gepäck wird ausgeladen und auf ein Boot verfrachtet. Nun geht es auf eine einstündige Bootstour zu unserem endgültigen Tagesziel, dem Mvuu Camp am Ufer des Shire. Unser Boot ist ein Schnellboot, verlangsamt aber sofort die Fahrt, wenn Tiere in Sicht kommen. Am Ufer taucht ein Elefant auf, unser erster auf dieser Reise. Plötzlich sehen wir eine ganze Herde Flusspferde. Wir beäugen uns gegenseitig. Immer wieder kreuzen Hippos unseren Weg. Es ist ein einzigartiges Erlebnis. Dazu kommt noch die beeindruckende Flusslandschaft mit ihren Nebenläufen, hohen Gräsern, Wasserhyazinthen und Vogelnestern im Schilf.
Am Steg des Mvuu Camp entdecke ich einen gelben Webervogel, den ich fälschlicherweise für einen Wellensittich halte.

Malawi Lake Nilpferde

Wir werden zum Haupthaus geleitet, wo uns nach der offiziellen Begrüßung etwas über das Camp erzählt wird. Nach Einbruch der Dunkelheit darf man sich auf dem Gelände des Camps nur in Begleitung eines Rangers bewegen, da der nächtliche Besuch von Hippos, Krokodilen und sogar Elefanten hier nicht unüblich ist. Auch tagsüber toben Tiere durchs Camp, die aber nicht gefährlich, sondern eher drollig sind. Die Meerkatzen sind uns gleich aufgefallen, am nächsten Tag begegnen wir vor dem Haupthaus auch Warzenschweinen und sehen, wie andere Touristen von einem Waran begleitet werden. Unsere Chalets werden uns zugeteilt.
Bille und ich sind höchst zufrieden. Von unserem Bungalow blicken wir direkt auf den Fluss und können die Hippos schnaufen hören. Im Bungalow gibt es alles, was man als Tourist braucht, Luxusschnickschnack und hochwertige Elektronik fehlen zum Glück. Nun müssen wir ganz schnell Mittag essen, denn um 16 h werden wir zur ersten Safari durch den Liwonde-Nationalpark aufbrechen.

Am Jeep steht schon ein junger Mann, der sich mir als „Stanford, Dein Fahrer“ vorstellt. Ich überlege noch, wie ich in das Gefährt reinklettern soll, da weist Stanford auf eine Rampe, über die auch Senioren mühelos im Jeep Platz nehmen können. Claudia sitzt schon im Wagen, nun kommt auch Bille. Stanford stellt seinen Assistenten Danger vor und kündigt uns eine dreistündige Safari an. Da es in drei Stunden schon stockfinster sein wird, scheuche ich Sibylle noch mal in den Bungalow, damit sie das Mückenspray holt, denn mit Einbruch der Dunkelheit kommen die Malariamücken. Nachdem Bille wieder an Bord ist, fahren wir aus dem Camp heraus auf eine Wiese und schon sehen wir die ersten Warzenschweine sowie Impalas, die auf den Wiesen zu beiden Seiten des Weges friedlich grasen. Dann begegnen uns Affen, ein Zebra flüchtet, Buschböcke kreuzen unseren Weg. Stanford und Danger machen uns auf viele bunte Sing- und Raubvögel aufmerksam, nur das schwarze Nashorn hält sich beharrlich versteckt, möglicherweise weil Claudia wie ein Wasserfall redet. Sie war schon während der Busfahrt sehr redselig gewesen. Einige Bemerkungen Claudias waren recht unsensibel und lassen darauf schließen, dass sie eine verwöhnte Vertreterin der Wohlstandsgesellschaft ist, die sich in die Situation armer Leute nicht hineinversetzen kann. Nach einer Weile erreichen wir das Ufer des Shire. Unsere Guides haben ein kleines Picknick vorbereitet, also steigen wir aus und genießen die romantische Abendstimmung. Als Stanford wegen der Insekten immer öfter um sich schlägt, klettern wir wieder in den Jeep und machen uns auf den Rückweg. Danger sitzt jetzt auf einem Sitz, der an der Kühlerhaube angebracht ist und leuchtet mit einem Scheinwerfer das Gebüsch rechts und links des Weges ab. Tatsächlich erspähen wir ein paar Hippos, ansonsten nur Tiere, die wir auch schon bei Tageslicht gesehen hatten.

Zurück im Camp, werden wir von einem Ranger zu unseren Chalets gebracht und dann zum Abendessen wieder abgeholt. Gegen 21 h begleitet uns der Ranger wieder zur Unterkunft, Bille beschäftigt sich noch ein wenig mit ihrem Tablet, während ich noch ein halbes Stündchen im Dunklen auf der kleinen Terrasse unseres Chalets sitze und in den afrikanischen Sternenhimmel gucke.

Afrikanische Safari-Abenteuer

Donnerstag, 7.3.13
Um 8:30 h brechen wir zu einer weiteren Bootsafari auf. Schon beim Frühstück hatte man uns auf Elefanten am anderen Flussufer aufmerksam gemacht. Wir steuern das gegenüberliegende Ufer an. Vor uns grast eine über 40 Tiere große Herde. Die Elefanten sind überhaupt nicht scheu. Sie beachten uns gar nicht. So können wir sie ausgiebig beobachten und fotografieren. Wir können uns gar nicht satt daran sehen, wie sie sich mit den Ohren Luft zufächeln und mit dem Rüssel Futter aufnehmen. Schließlich setzen wir unsere Fahrt fort, begegnen noch ein paar Nilpferden und Seeadlern, dann kehren wir um. Inzwischen haben die Elefanten beschlossen, ein Bad zu nehmen. Einige Jungbullen kämpfen spielerisch miteinander, andere Tiere bespritzen sich mit Wasser. Tief beeindruckt setzen wir zum Lunch ans andere Ufer über. Jetzt haben wir noch etwas Zeit bis zur zweiten Jeepsafari. Sibylle und ich nutzen den Swimmingpool, Claudia sammelt sich, wie sie es nennt.

Wasser Safari Malawi - Elefanten

Auf der heutigen Nachmittagssafari haben wir Gesellschaft. Ein holländisches Ehepaar um die 60 begleitet uns. Offensichtlich sind die Leute sehr wohlhabend. Der Mann ist Brückenbauingenieur und hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet, auch die Frau ist noch berufstätig und kann ihren Beruf überall ausüben. Sie waren schon monatelang nicht mehr in Holland. Claudia versucht immer wieder, die Leute mit ihren Reiseerfahrungen zu beeindrucken, aber vergebens.
Obwohl wir denselben Weg wie gestern nehmen, ist es diesmal etwas anstrengender, denn die Wege sind vom nächtlichen Regen aufgeweicht, wir müssen tiefe, schlammige Furten durchqueren. Ich fürchte, meine Lendenwirbelsäule könne versagen, denn ich habe nach dem Baden im Pool mein Stützkorsett vergessen. Dazu kommt Cludias Redefluss. Das verschreckt die Tiere, Billie und ich sind genervt. Ich flüstere Bille zu, dass ich schon mal in Dresden gewesen sei und sie antwortet mir auch im Prenzlberg sei es sehr schön. Endlich sehen wir Elefantenscheiße. Wenigstens etwas! Jetzt erspähen wir 2 Kudus. Solche Riesenantilopen waren uns am Vortag nicht vor die Linse gekommen. Auf ein paar toten Bäumen lauern Marabus auf Beute. Auch in der Wiese neben uns laufen diese großen Vögel herum. Plötzlich fliegen zwei Marabus über uns hinweg. Einer von ihnen hat etwas Langes im Schnabel, das die Holländer als kleinen Waran identifizieren. Unserer tierlieben Claudia entfährt ein bedauerndes „ooohh“. Bille und ich grinsen. Wieder halten wir zu einem kurzen Picknick am Flussufer, nur ist diesmal unser Jeep defekt. Wir müssen auf einen anderen Wagen warten, der unseren Guides einen Wagenheber mitbringt. Ich bin nun doch etwas ängstlich und fürchte, die Flusspferde könnten das Wasser verlassen, bevor ich wieder in den Jeep klettern kann, aber alles geht gut. Auch diesmal ist die Fahrt in der Dunkelheit wenig ergiebig.

Impalas Liwonde Malawi

Wir essen dann zusammen mit den Holländern zu Abend. Auch Stanford isst mit uns, was der Holländer „ungewöhnlich“ findet. Claudia und die Holländer unterhalten sich auf Deutsch über Berlin und die Berliner, die sie übereinstimmend für äußerst schwatzhaft halten. Billie und ich werfen uns spöttische Blicke zu, was unserem Stanford nicht entgeht. Ich übersetze Standford also, was da eben erzählt wurde und verrate ihm auch, dass Bille und ich in Berlin zu Hause sind. Dann frage ich ihn geradeheraus: „Do you think WE are talking too much“? Nun lacht auch Stanford.

Ich beschließe den Abend wieder auf der Terrasse unseres Chalets, indem ich mich an dem phantastischen Sternenhimmel nebst Glühwürmchen erfreue. Bille nutzt noch ein wenig das Internetzentrum des Camps und schließt sich dann ein paar jungen Leuten am Lagerfeuer an. Auch Claudia sitzt noch am Lagerfeuer. Dort wird überraschend ein Baumstamm lebendig und entpuppt sich als großes Krokodil, das blitzschnell im Wasser verschwindet. Nach diesem Erlebnis nimmt man die Warnung vor großen Tieren ernst und lässt sich brav von Rangern zu den Hütten begleiten.

Zomba – Alte Hauptstadt Malawis

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Nächster Stopp: Zomba

Freitag, 8.3.13
Heute verlassen wir am späten Vormittag das Mvuu Camp auf dem Wege, den wir gekommen sind. Es geht auf dem Wasser zurück zum Hippo’s View. Dort erwartet uns schon Isaac mit dem Bus. Wir fahren ca. 60 km, vorbei an der alten Hauptstadt Zomba zu unserem nächsten Reiseziel, dem Ku-Chawe-Inn. Diese Ferienanlage mit terrassenförmigem Garten befindet sich in ca. 1500 m Höhe im Gebiet des Zomba-Plateau-Naturschutzgebiets. Von Zomba führt eine asphaltierte Straße 7 km bergauf zum Hotel. Der Wald rechts und links mutet europäisch an, die Häuser und Gärten entlang der Strecke sind gepflegt. Vor der Einfahrt zum Hotel stehen die üblichen Souvenirhändler, ansonsten ist hier Natur pur. Auf der Terrasse des Hotels wird uns ein Lunch serviert. Leider ist die Bedienung etwas langsam, so dass wir Gefahr laufen, uns einen Sonnenbrand zu holen, wenn wir uns nicht in den Schatten verziehen.

Während wir aufs Essen warten, bittet Claudia Isaac, seinem Arbeitgeber in unser aller Namen ausdrücklich dafür zu danken, dass er uns Touristen und den einheimischen Reiseleiter im selben Hotel unterbringt. Zu unserem Erstaunen erfahren wir, dass das Reisebüro sich hierbei nach den Wünschen der Gäste richtet. Während Deutsche und Amerikaner gern mit dem Reiseleiter in derselben Unterkunft wohnen, wäre das für Engländer und Holländer nicht standesgemäß. Wenn Isaac also eine englische oder holländische Gruppe führt, wohnt er stets separat.

Nach dem Lunch spaziere ich bergab zum Mulunguzi-Stausee, der etwa auf halber Höhe zwischen dem Ku-Chawe-Inn und Zomba liegt. Nach einer guten Stunde komme ich dort an. Ich finde einen gepflegten Rastplatz mit gemähter Wiese, Grillplatz, einer Bank und sogar einigen noch nicht eingepflanzten Setzlingen. Der Stausee mit Zufluss gibt ein tolles Fotomotiv ab. Da die Strecke bergauf sicher etwas beschwerlicher sein wird, mache ich mich schon bald wieder auf den Rückweg. Ich bin 10 Minuten unterwegs, da kommt mir Sibylle entgegen. Wir gucken uns den Stausee noch einmal gemeinsam an, als ein älterer Malawi erscheint und sich als Hüter des Rastplatzes vorstellt. Er führt uns herum, erzählt, dass er hier alles sauber halte und verlangt dann 200 Kwacha pro Person für die Führung. Er bekommt das Geld auch prompt, obwohl wir ihm seine Geschichte nicht glauben. Nun geht es zurück zum Hotel. Beim üblichen Dreigangmenü verzichten wir inzwischen auf einen der Gänge. In diesem Urlaub werden wir gemästet. Da heute Frauentag ist, genehmige ich mir ein Glas Rotwein zum Essen. Danach gehen wir recht bald schlafen.

Alex, Zomba Malawi
Alex

Ausflug zum Zomba-Plateau

Heute geht es mit dem Jeep ca. 2080 m hoch aufs Zomba-Plateau. Isaac stellt uns die beiden Jeepfahrer vor. Zu unserem größten Vergnügen heißt einer der Fahrer Trouble. Wir erfahren, dass malawische Eltern ihre Kinder häufig danach benennen, wie sie sich die Entwicklung ihrer Sprösslinge vorstellen. So kommt es zu Namen wie „Stanford“ (Stanford University, USA) oder eben „Danger“ und „Trouble“.
Auf unserem Weg zum Plateau kommen wir an Seen und Wasserfällen vorbei, natürlich auch an Souvenirhändlern, die uns Mineralien anbieten, welche sie aus dem Boden ausgegraben haben. Oben angekommen, halten wir an mehreren Aussichtspunkten, von wo wir einen sagenhaften Blick auf Zomba und das noch höhere Mulanje-Gebirge haben. Am dritten Aussichtspunkt weisen uns die Fahrer auf ein sehr tiefes natürliches Loch hin, in das bis zum Ende des. 18. Jahrhunderts die Leprakranken geworfen wurden. Wenn die armen Teufel nicht schon durch den Sturz zu Tode kamen, mussten sie in dem Loch elendiglich verhungern.
Nun geht es langsam wieder zurück zum Ku-Chawe-Inn, vorbei an malerischen Bergwiesen und bunten Schmetterlingen.

Nachmittags haben wir Freizeit. Bille beschließt, nach Zomba zu laufen und sich in der Stadt umzugucken. Wir bitten sie, bei Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein. Es gibt hier keine Dämmerung und die Bergstraße ist nicht beleuchtet. Sibylle läuft kurz vor halb vier los. Auch ich gehe spazieren, und zwar in die andere Richtung. Wieder bin ich erstaunt über das fast europäische Bild, was sich mir bietet. Ich passiere eine Pferdekoppel und sehr gepflegte Grundstücke, eines davon ist das Feriendomizil einer einheimischen Bank, auch die amerikanische Botschaft hat in der Nähe ein Chalet. An Afrika erinnert hier nur die rote Erde und die Horde Schimpansen, die mir schon seit einiger Zeit folgt und mich beobachtet. Ich finde es recht lustig, wie die Affen in die einzelnen Gärten beiderseits des Weges eindringen und sich dort wie zu Hause fühlen.
Vor einem kleineren Grundstück dann Hundegebell. Vier kleine Hunde springen um einen Baum herum, auf den sich ein Schimpanse geflüchtet hat. Sie kläffen aus vollem Halse und man sieht ihnen die Lebensfreude an. Eine ältere Dame kommt an den Zaun, unterhält sich mit mir und lädt mich zum Tee ein. Auf dem Weg zu ihrem Haus zeigt mir die Dame, eine Engländerin, ihre Kaffeesträucher und ein paar Obstbäume. Dann führt sie mich auf die Terrasse ihres kleinen Hauses, wo schon ihr Mann auf den 5-Uhr-Tee wartet. Das Ehepaar, so erfahre ich, lebt seit 60 Jahren in Malawi, 40 davon in diesem kleinen Haus. Der Mann hatte in der britischen Armee als Russischdolmetscher gedient und wollte sich mit mir über russische Literatur unterhalten. Ich hatte große Mühe, meine Unwissenheit auf diesem Gebiet zu verschleiern. Die alten Leute ließen mich nicht ohne Begleitung zurück zum Hotel gehen. Ihr Angestellter Henry brachte mich bis vor die Tür meines Hotels. Unterwegs erzählte er mir etwas über die armen Holzsammler und über sein großes Glück, das darin bestand, dass er seinen Sohn mit dem Wagen seiner Arbeitgeber zur Schule fahren darf, wenn die Waldwege wegen des Regens unpassierbar sind.

Sonnenuntergang Africa Malawi

Bei Einbruch der Dunkelheit ist Sibylle noch nicht zurück. Claudia, besonders aber Isaac, machen sich Sorgen – ich auch ein wenig, mein Kind ist erwachsen, aber die mütterlichen Sorgen bleiben. Isaac erkundigt sich nach Sibylles Handynummer, kann sie aber nicht erreichen, weil sie noch den Flugzeugmodus eingestellt hat. Um 19:30 h klopft Sibylle an der Zimmertür. Hurra, die verlorene Tochter ist wieder da, niemand schimpft, alle sind froh. Sibylle hat in Zomba interessante Leute getroffen und etwas vom wahren malawischen Leben kennen gelernt. Sie ist total begeistert. Beim Abendbrot spendiere ich Isaac ein Bier und trinke ein Glas Rotwein auf Sibylles Rettung.

Satemwa Tea Estates & das Huntingdon House

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Auf der Teeplantage

Sonntag, 10.3.13
Unser heutiger Weg führt uns nach Thyolo, einem Teeanbaugebiet am Fuße des Mulanje-Gebirges. Zuerst fahren wir durch Zomba. Diesmal wird uns ein wenig von der Stadt gezeigt. Wir besichtigen ein Denkmal zu Ehren der malawischen Gefallenen des 1. Weltkrieges. Unterwegs sehen wir überall gut angezogene Leute, die zur Kirche gehen oder aus der Kirche kommen. Isaac fährt mit uns auf einen Markt. Wir drängeln uns an den Ständen vorbei. Hier findet man Besenbinder, Gemüse- und Gewürzhändler, Fischverkäufer, Fleischer, auch Eisenwaren- und Elektrowarenhändler, deren Stände allerdings etwas vorsintflutlich erscheinen. Auch der mit „Computer Centre“ beschriftete Laden sieht ganz anders aus, als wir es gewöhnt sind.

Weiter geht die Fahrt durch Zomba, an einigen Gebäuden der ehemaligen Kolonialregierung vorbei und schon sind wir wieder auf der Landstraße. Als nächstes passieren wir die Stadt Blantyre. Isaac tut uns den Gefallen und fährt – außerhalb des Programms – kurz durch die Stadt. Wir besichtigen die von David Livingstone gegründete Kirche. Blantyre ist ein kommerzielles Zentrum, eine Bank neben der anderen. Große Sehenswürdigkeiten gibt es hier offensichtlich nicht. Am Stadtrand befindet sich ein hochmodernes Krankenhaus, in dem allerdings nur zahlende Patienten behandelt werden. Dem Großteil der Bevölkerung steht es also nicht zur Verfügung.

Ein paar Kilometer hinter Blantyre sehen wir die ersten Teefelder. Links und rechts nur noch Tee. Hin und wieder ein paar Aufsteller, auf denen zu lesen ist, dass man hier auf Kinderarbeit verzichtet. Endlich halten wir vor der Zufahrt zur Satemwa-Teeplantage, auf der sich unsere nächste Unterkunft befindet. Das Anwesen erscheint riesig, ein Wegweiser zeigt 4,9 km bis zum Huntingdon House an. Noch an der Zufahrt bekommen wir einen Lageplan in die Hand gedrückt, damit wir uns später nicht verlaufen. Wir halten vor einem Kolonialbau, dem man zumindest von außen sein Alter ansieht. An der Eingangstreppe werden wir begrüßt. Als wir das Foyer des Gebäudes betreten sind wir beeindruckt vom geschmackvollen, aufeinander abgestimmten Interieur des Hauses. Wir werden zu unserem Zimmer geleitet. Dies ist kein gewöhnliches Hotelzimmer. Es ist eine individuell gestaltete, hochkomfortable Suite. Ich fühle mich in solchem Luxus zwar eher unwohl, bin wider Willen aber doch überwältigt. Alle Zimmer dieses Hauses sind anders gestaltet. Das gesamte Gebäude ist von einer Terrasse umgeben. Hier kann man sein Essen einnehmen oder auch einfach nur sitzen und in den wunderschönen Park gucken. Von den Korridoren im Inneren des Hauses gehen kleine Patios ab, die ebenfalls zum Verweilen einladen. Claudia ist völlig aus dem Häuschen und möchte am liebsten alle Zimmer fotografieren. Wir haben nichts dagegen, dass sie bei uns Aufnahmen macht, wollen selbst aber nicht die Zimmer anderer Gäste knipsen. Bille bedauert, dass wir schon wieder fernab jeglichen normalen Lebens untergebracht sind. Immerhin kann man sich hier ausgiebig bewegen. Wir dürfen uns im gesamten Gelände umsehen, allerdings ist die Gefahr des Verlaufens nicht zu unterschätzen. Nach dem Lunch gehen wir los. Claudia hatte unsere Einladung mitzukommen, etwas pikiert abgelehnt, sie wolle lieber die Schönheit genießen.

Die Teeplantage ist sehr weitläufig, wir fragen uns zum Sportplatz durch. Dort spielen ein paar Einheimische Fußball. Ein Mann, der wie ein Pfarrer gekleidet ist, fragt uns, ob er uns helfen könne. Wir verneinen, grüßen ihn freundlich und biegen bergaufwärts ab. Die Teefelder sind in Sektionen unterteilt, die zum Teil beschildert sind. Isaac hatte uns schon darüber aufgeklärt, dass die Pflanzen ca. 40 bis 60 Jahre alt werden können. Tatsächlich entdecke ich ein Areal mit Teesträuchern meines Jahrgangs, gepflanzt 1951. Es geht nun auf 19 h zu. Wir sind noch weit vom Huntingdon House entfernt. Ich fürchte, von der Dunkelheit überrascht zu werden, doch Bille findet sich ziemlich gut zurecht. Wir kommen am Krankenhaus und an einigen Wirtschaftsgebäuden vorbei. Dann müssen wir doch nach dem Weg fragen. Der Angesprochene spricht zwar kein Englisch, versteht aber Huntingdon House und weist uns den Weg. Als es fast völlig dunkel ist und Bille mich der Panikmacherei bezichtigt, gelangen wir durch einen Hintereingang in den Rosengarten des Parks. Ich bin froh, dass wir noch vor dem großen Mückenansturm wieder im Hotel sind.

Nach dem Abendessen spielen Bille und ich noch eine Partie Trivial Pursuit. Das erweist sich als äußerst unterhaltsam, da die Fragen Kenntnisse voraussetzen, die wohl zur britischen, aber nicht zur deutschen Allgemeinbildung gehören. Beide versagen wir total. Wir wissen weder, wie viele Sesamkörner sich auf einem Markenmüsliriegel befinden, noch wer in welchem Golfspiel wie viel Millionen verdient hat. Bille kann dank ihrer Popmusikkenntnisse eine Tortenfrage richtig beantworten, ansonsten ein Fehlschlag nach dem anderen. Schließlich geben wir uns keine Mühe mehr, sondern antworten ohne nachzudenken, wobei wir zuweilen sogar einen Treffer landen. Die Angestellten guckten immer mal verwundert zu uns rüber, weil wir ständig und laut gackern, dabei hatten wir gar nichts getrunken. Irgendwann verlieren wir die Lust aufs Spielen. Es gelingt mir noch, einen Gecko zu fotografieren, der vergeblich versucht, einen Falter zu fangen. Dann geht auch dieser Tag zu Ende.

Ausflug nach Mulanje Mountain

Montag, 11.3.13
Heute fahren wir zum Mulanje-Bergmassiv. Die Fahrt geht durch Thyolo, vorbei an Teefeldern anderer Plantagen. Am Straßenrand sieht man immer wieder Kinder auf dem Weg zur Schule. Weit vor uns ist das wolkenverhangene Bergmassiv zu erkennen. Schließlich sind wir da. Wir verlassen die Landstraße und fahren leicht bergauf, passieren ein kleines Dorf, dessen Bewohner uns sehr arm erscheinen. An einem Wasserlauf hält unser Bus. Ich bleibe im Wagen, während die anderen zu einer ca. einstündigen Wanderung zum Stausee aufbrechen. Vor mir sammeln etwa 8 Frauen Holz. Sie tragen dünne Baumstämme und sehr lange Äste zusammen, bündeln diese mit Stricken, stellen die Bündel dann aufrecht an einen großen Baum, packen sich ein Holzbündel auf den Kopf oder über die Schultern und laufen mit dieser Last den Berg hinunter. Eine der Frauen hat sogar noch ein Baby um den Rücken gebunden. Ich steige mit etwas Geld aus dem Wagen und gehe zu den Sammlerinnen. Da ich nur wenig kleine Scheine habe, gebe ich der Ältesten eine größere Banknote in der Hoffnung, sie werde das Geld aufteilen. Die Dame nimmt meinen Schein, küsst ihn, und versteckt ihn in den Weiten ihres Gewandes, was mich annehmen lässt, dass sie den anderen nichts davon abgeben möchte. Die Dame weist jetzt ihre Kolleginnen an, für ein paar Fotos zu posieren. Man will sich nichts schenken lassen, man hatte schließlich auch nicht gebettelt. Ich laufe zum Wagen zurück, hole meine paar kleinen Scheine und verteile diese an die Frau mit Kind und noch zwei weitere Damen. Für alle reicht es leider nicht. Nun setze ich mich wieder in den Bus und schreibe ein wenig in mein Tagebuch, bis die Wanderer zurückkommen. Auf dem Rückweg halten wir noch am Souvenirmarkt des armen Dorfes und kaufen etwas Volkskunst ein. Dann geht es zurück in die Luxuswelt.

Die gesamte vordere Terrasse des Huntingdon House ist inzwischen piekfein eingedeckt. Ebenso die Tische bei den Sitzgruppen im Park. Auf dem Rasen ist ein Krikettspiel aufgebaut. Vier sehr elegant gekleidete Schwarze mittleren Alters sitzen auf der Terrasse. Uns wird das Mittagessen auf einer Seitenterrasse serviert, wobei man uns trotz der erwarteten hohen Gäste genauso zuvorkommend behandelt wie am Vortag. Als wir nach etwa 90 Minuten unser Essen beendet haben, ist alles abgedeckt. Die Gäste sind abgereist. Im Park des Huntingdon House sollte ein Treffen hochrangiger Politiker stattfinden, fiel jedoch ins Wasser, da einige der Geladenen an diesem Tage verhaftet bzw. unter Hausarrest gestellt worden waren. Die Anklagegründe reichten von Amtsanmaßung über Korruption bis Verrat. Nun waren wir wieder fast die einzigen Gäste auf der Teeplantage.

Da die Zeit drängt, fahren wir den kurzen Weg zur Teefabrik mit dem Bus. Zur Einführung wird uns ein Videofilm über die Plantage gezeigt. Wir erfahren nicht nur etwas über Teeanbau und -verarbeitung, sondern auch über die sozialen Standards des Betriebes. Es gibt Wohnhäuser für die Beschäftigen, eine Klinik, in der die Arbeiter und deren Familien kostenlos behandelt werden, eine Schule für fast 1000 Kinder, einen Sportplatz. Der Betrieb ist zertifizierter Fair-Trade-Produzent, und selbstverständlich ist Kinderarbeit hier ausgeschlossen.
Der malawische Tee, erfahren wir, wird in Europa in Mischungen wie „Earl Grey“ verwendet, doch sortenrein verkauft er sich außerhalb Malawis schlecht, da die Anbaugebiete hier nicht so hoch liegen wie z.B. in Kenia und die Sonne hier auch etwas weniger scheint.
Dann schreiten wir zur Teeverkostung. Obwohl ich eine ausgesprochene Teetrinkerin bin, schmecke ich keinen Unterschied zwischen den Sorten heraus. Alle schmecken gleich stark, lediglich eine Sorte weißen Tees erscheint mir ein klein wenig milder zu sein. Dennoch ist auch die Verkostung ein großes Erlebnis.
Beim Verlassen des Betriebsgeländes fällt mir noch eine Tafel der „Diensthabenden“ auf, darunter auch eine „Hebamme vom Dienst“, was auf ein soziales Betriebsklima schließen lässt.

Bille und ich spazieren durch das Gelände zurück zum Haus. Diesmal kommen wir noch bei Tageslicht an. Während Bille noch etwas joggen geht, geselle ich mich zu Claudia in die Sitzgruppe auf dem Rasen. Claudia hat inzwischen erfahren, dass Wein hier im Preis einbegriffen ist, wenn man ihn im Glas (und nicht flaschenweise, wie sie es bisher gemacht hatte) bestellt. Nun rät sie mir, doch ein Glas Rotwein zu bestellen. „Ist doch umsonst!“ Lange braucht sie mich nicht zu überreden, es ist tatsächlich schön, in dieser Atmosphäre in der kurzen Zeit der einbrechenden Dunkelheit ein Gläschen Roten zu trinken.

Gewitterwolken ziehen auf, man hört in der Ferne Donner. Nun wird es wohl mit dem Dinner auf der Terrasse nichts werden. Stattdessen überrascht man uns an unserem letzten Abend hier mit einem Candle-Light-Dinner im ehemaligen Speisesaal des Landhauses. Der Seniorchef der Plantage, ein rüstiger Herr, der wie Mitte 60 aussieht, aber schon 85 Jahre alt ist, setzt sich zu uns, fragt wo wir herkommen und wie es uns in Malawi gefällt. Dann erzählt er uns etwas über das Leben in Malawi und fotografiert uns mit meinem Apparat. Schließlich verabschiedet er sich und wünscht uns eine gute Reise.

Lake Malawi

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Norman Carr Cottage am Lake Malawi

Mittwoch, 12.3 .- Freitag, 15.3.13
Beim Frühstück fällt auf, dass sowohl Personal als auch meine Reisebegleiter etwas betreten aussehen. Bille sagt mir etwas, von dem ich nur „Schlimmes“, „alter“ und „entführt“ verstehe. Ich reime mir also zusammen, dass der Seniorchef schon mal Schlimmes durchgemacht haben muss, er wurde irgendwann einmal entführt. Meine Reaktion „aha“ bringt Bille auf die Palme. Ich würde überhaupt nicht mehr zuhören und solle mir endlich neue Ohren kaufen. Der Seniorchef war in der Nacht entführt worden. Da er in einem anderen Gebäude wohnt, hatten wir nichts davon gemerkt. Natürlich machen sich jetzt alle Sorgen. Noch während wir auf den Toast warten, kommt dann die erlösende Nachricht, dass der alte Herr unversehrt aufgefunden worden sei. Die Entführer hatten ihn gezwungen, seinen eigenen Wagen bis zum Wohnsitz des im April 2012 verstorbenen Präsidenten zu fahren und dort durfte er dann aussteigen. Isaac vermutet, man habe dem Entführten aus politischen Gründen einen Schreck einjagen wollen, habe er sich doch in der Öffentlichkeit mehrmals abfällig über die Regierung geäußert.

Wir verabschieden uns von den Angestellten und hinterlassen unsere besten Wünsche für den Seniorchef. Der Bus bringt uns nun zur Norman Carr Cottage, der letzten Station auf unserer Malawi-Reise. Wir fahren den ganzen Vormittag, einen Teil der Strecke kennen wir schon. Irgendwann kommt endlich der See in Sicht. Wir verlassen die Landstraße und biegen auf einen Feldweg mit der für Afrika typischen roten Erde ab. Isaac wird diesmal nicht mit uns in derselben Anlage wohnen. Seine Verwandten wohnten ganz in der Nähe und er wolle gern ein wenig Zeit mit ihnen verbringen, erklärt er uns. Am 15.3. werde er Sibylle und mich nach Lilongwe zum Flughafen fahren. Claudia werde dann von einem anderen Fahrer zu ihrem Anschlussaufenthalt abgeholt.
In der Lodge angekommen, verwundert es mich, dass Bille und ich je einen Bungalow zugewiesen bekommen, obwohl wir ein Doppelzimmer gebucht hatten. Der Besitzer meinte, wir seien doch beide erwachsene Menschen und würden uns in getrennten Bungalows sicher wohler fühlen. Selbstverständlich würden uns keine Mehrkosten berechnet. Nun ja, da ich unterwegs heute ziemliche Magen-Probleme hatte, denke ich nicht weiter darüber nach, sage das Mittagessen für mich ab und versuche, im Bungalow meinen Magen in den Griff zu bekommen. Ich lese die im Bungalow ausliegenden Hinweise für Gäste und bin entsetzt, dass Urlauberkinder, so sie mit einheimischen Kindern spielen möchten, dies doch bitte nicht an diesem Strandabschnitt tun sollen. Ich lege mich aufs Bett und versuche zu schlafen. Inzwischen findet der erste Bootsausflug statt. Bille ist ganz begeistert und hat die Gelegenheit zum Schwimmen genutzt.

Norman Carr Cottage Malawi
Zum Abendessen bin ich wieder fit. Claudia beklagt sich bei mir, dass es zum Lunch nur einen Gang gegeben hätte, bei einer Reise wie dieser müssten wenigstens 2 Gänge angeboten werden. Bille und ich finden, wir werden seit Ankunft in Malawi rund um die Uhr gemästet und wenn es mal etwas weniger gibt, tut das unserer Gesundheit nur gut. Beim Abendessen ist Claudia dann versöhnt, es schmeckte ausgezeichnet und das Menü war selbstverständlich mehrgängig.

Am nächsten Morgen verlassen wir nach dem Frühstück die Lodge zu einem kurzen Spaziergang, der aber nicht sehr erlebnisreich ist. Als wir zurückkommen haben die Souvenirhändler schon ihre Waren ausgebreitet. Sie dürfen hier täglich für eine Stunde ihre Produkte anbieten. Wir schauen uns die Sachen an, Bille zahlt jeden geforderten Preis, ich handele leicht herunter, während Claudia ,wie schon bei früheren Gelegenheiten, am liebsten gar nichts bezahlen würde und dann noch behauptet, nun hätte der Verkäufer aber ein Geschäft gemacht. Mit einer Kette für meine Schwester und einem Flaschenverschluss für mich ziehe ich davon. Gleich geht es mit dem Boot auf den Malawisee. Sibylle möchte gern Schnorcheln. Ich fürchte, das Loch in ihrem Trommelfell könne dabei zu Problemen führen, aber sie meint, ihre Ohren seien unmittelbar unter der Wasseroberfläche keinem großen Druck augesetzt.

Vor dem Schnorcheln werden erst einmal die Seeadler gefüttert. Einer der Bootsleute kauft einem Fischer etwas von seinem Fang ab. Nun imitiert er den Schrei eines Seeadlers und wirft einen toten Fisch ins Wasser. Schon bald kommt ein Adler und schnappt sich die Beute. Das Schauspiel wiederholt sich mehrere Male. Leider gelingt es mir nicht, den Augenblick des Greifens der Beute beim Fotografieren abzupassen. Ich hoffe also auf die Fotos von Bille. Claudia klagt, sie könne keine toten Tiere sehen, die Fische täten ihr unendlich leid. Bille weist darauf hin, dass nun der Fischer etwas Geld hat, um seine Familie ernähren zu können und die Adler nicht hungern müssen. Ja, meint Claudia, das sähe sie ein, aber die toten Augen der Fische seien so anklagend. Beim Seeadlertörn am nächsten Tag sitzt Claudia dann allein auf dem Vordeck, um das Elend nicht noch einmal sehen zu müssen. Fotografiert hat sie den Beutefang aber trotzdem.

Nach der Fütterung fahren wir dichter an das felsige Ufer heran. Ein junger Bootsmann zeigt Sibylle, wie man die Schnorchelmaske aufsetzt. Die beiden schnorcheln dann gemeinsam. Ich beobachte die beiden Schnorchel. Guckt etwa nur noch einer aus dem Wasser? Schließlich klettere ich über die Leiter in den See. Ein älterer Bootsmann schmeißt mir eine Art Gummischlange hinterher, weil er mich für eine Nichtschwimmerin hält. Er ist dann sehr erstaunt, als ich ihm die Schwimmhilfe zurückgebe.
Argwöhnisch schwimme ich immer in der Nähe der beiden Schnorchel. Das Wasser ist angenehm warm. Langsam verlieren sich meine Ängste. Nun tauchen auch die beiden Schnorchler endgültig wieder auf. Wir schwimmen zum Boot, Sibylle schiebt mich von unten an und der Bootsführer zieht mich an den Armen hinein.

Nach dem Mittagessen wollen wir uns noch etwas die Gegend anschauen, bevor wir um 17 h wieder ins Boot steigen. Es ist bewölkt, wir verzichten also auf unseren fast aufgebrauchten Sonnenschutz und laufen ins nahegelegene Dorf. Das war ein Fehler. Mit einer solchen Armut hatten wir nicht gerechnet. Ein Afrikaner um die 40 lud uns ein, seinen Kraal zu besichtigen. Dort standen in einer Umzäunung mehrere kreisförmig angeordnete Rundhütten. Vor einer dieser Hütten schlief auf dem nackten Betonfußboden eine stark unterernährte alte Frau. Wenn der Mann nun darauf hingewiesen hätte, dass es seiner Oma nicht so gut ginge, hätten wir ihm sicher etwas Geld zugesteckt, aber nein, er weckt die dem Aussehen nach Hundertjährige und zerrt sie zu uns herüber. Vermutlich war diese Frau schon in der Kindheit erblindet, über die Augen waren ihr Hautlappen gewachsen, so dass die Augen selbst überhaupt nicht mehr sichtbar waren. Wir hatten große Schwierigkeiten, uns unser Entsetzen nicht anmerken zu lassen, der alten Dame das dünne Ärmchen zu schütteln und „Hi, Mam, nice to meet you“ zu stammeln. Bille weist mich darauf hin, dass die Frau auch taub sei. Wir lassen also eine Spende für die Oma da, wundern uns aber über das Verhalten des Mannes, die arme Frau auf diese Weise für Vorführzwecke zu gebrauchen. Leider werden wir nun von ca. 20 Kindern im Alter von ca. 5 bis 15 Jahren verfolgt und angebettelt. Inzwischen haben sich die Wolken gelichtet, es ist die Zeit der intensivsten Sonnenstrahlung. Wir versuchen, die Kinder erst behutsam, dann energisch zur Rückkehr ins Dorf zu bewegen. Erst als wir sehr böse werden und sich aus der anderen Richtung ein erwachsener Afrikaner nähert, ziehen die Kinder Leine. Auf dem kurzen Weg durchs Dorf können wir nicht zurück, also gehen wir querfeldein. Sibylle entwickelt einen Sonnenbrand, doch der Weg nach Hause ist noch weit. Wir reißen große Blätter von irgendwelchen Pflanzen ab und basteln eine Art Palmwedel, der die Strahlung allerdings kaum abhält. Nach einer Stunde sind wir endlich angekommen. Bille hat verbrannte Arme und Schultern und ich habe die dazu passende Panthenolcreme.

In der Lodge hält sich außer uns noch eine amerikanische Familie – Vater, Mutter und zwei Kinder im Schulalter – auf, die schon seit zwei Jahren auf Weltreise ist. Üblicherweise übernachtet die Familie in einfachen Quartieren und benutzt für ihre Reise öffentliche Verkehrsmittel. Die beiden Kinder werden aus der Ferne unterrichtet. Wenn genug Aufgaben gelöst sind, mieten sich die vier in einer komfortableren Unterkunft mit Internetanschluss ein, damit der Vater die „Hausaufgaben“ kontrollieren kann. Die Leute sind uns sehr sympathisch.

Die Bootsfahrt am Nachmittag machen wir gemeinsam. Sibylle stürzt sich zuerst in die Fluten, dann folgen der amerikanische Vater mit Tochter, dann die Mutter. Der etwa 8jährige Junge weigert sich strikt, im See zu baden, er fürchtet sich vor Flusspferden und Krokodilen. Alles Zureden der Mutter hilft nichts, der Junge bleibt im Boot. Ich verzichte ebenfalls aufs Baden. Claudia behauptet, leider nicht baden gehen zu können, da sie sich mit nassen Haaren sofort erkälten würde. Dies sei auch der Grund, warum sie niemals ohne Fön reisen könne. Als dann im Abendrot der Sundowner angeboten wird, benetzt sich Claudia von Innen mit Weißwein. Wir anderen trinken Saft oder Wasser.

Norman Carr Cottage Malawi

Gegen 19 h ankern wir am Steg unserer Lodge. Das Abendessen erfolgt heute mit musikalischer Untermalung durch einen einheimischen Trommler. Wir sind ziemlich müde und ziehen uns bald in unsere Zimmer zurück.
Am nächsten Tag verlassen wir die Lodge nicht mehr. Wieder fahren wir zum Schwimmen und Schnorcheln auf den See, diesmal schnorchele auch ich. Unser Begleiter hat etwas Mühe, mir die Maske anzulegen. Als ich schon aufgeben will, klappt es doch. Zum ersten Mal erlebe ich die phantastische Welt der Fische unter der Wasseroberfläche. Wir schwimmen an großen Felsen vorbei und um uns herum sind hunderte kleiner bunter Fische, einige gepunktet, andere gestreift. Ich bin überwältigt. Nach etwa einer halben Stunde tauchen wir wieder auf und schwimmen zum Boot. Claudia hat mit meinem Apparat unseren Ausflug im Bild festgehalten, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Sibylle meint, sie sei stolz auf mich. Eigentlich bin ich auch stolz auf mich, vor allem weil ich diesmal ohne Hilfe aus dem Boot heraus und wieder hereingekommen bin.

Auch zur Nachmittagsfahrt treten wir noch einmal an. Diesmal fahren zwei junge Ärzte mit, die in Malawi gearbeitet haben und vor ihrer Rückreise nach Deutschland noch ein paar Tage Urlaub machen wollen. Auch der Besitzer der Lodge ist mit an Bord. Er erzählt zwar sehr interessant über Land und Leute, aber seine unterschwellig rassistische Grundeinstellung kommt immer wieder durch. Als die Sundowners gereicht werden, bitte ich um ein Glas Rotwein, denn nun heißt es langsam, von Malawi und diesem Traumurlaub Abschied zu nehmen.

Am folgenden Morgen sitzen wir rechtzeitig beim Frühstück. Isaac soll uns um 8 h abholen und zum Flughafen nach Liwonde bringen. Wir sind reisefertig und warten in bequemen Schaukelstühlen, die an den Ästen eines riesigen Baumes befestigt sind. Claudia soll erst später abgeholt werden, wartet aber mit uns gemeinsam auf Isaac. Um 8:05 h guckt Claudia nervös auf die Uhr. „Wo bleibt er denn?“, rätselt sie. Um 8:10 h bemerkt sie, Isaac sei doch bisher sooo pünktlich gewesen. Bille geht das ziemlich auf den Wecker, sie musste schon zum Frühstück einer Pünktlichkeitsattacke von Claudia gegenüber dem Personal beiwohnen. Sibylle bemerkt, bisher hätte Isaac mit uns zusammen gewohnt, heute hingegen hätte er einen Anfahrtsweg und da könne immer was dazwischen kommen. 8:15 h: Wieder der Blick zur Uhr. Sibylle verkrümelt sich, um nicht unhöflich zu werden. Nun höre ich von Claudia wieder einen ihrer unsensiblen Sprüche. Mich stört die Verspätung überhaupt nicht, desto kürzer ist unsere Wartezeit am Flughafen. Um 8:18 h naht Isaac. Claudia wirft sich ihm sogleich überschwänglich an den Hals.

Die Rückfahrt zieht sich über drei Stunden hin. Wieder geht es fast 3000 m hoch ins Gebirge und dann die Landstraße entlang, die uns inzwischen gut bekannt ist. Wir erreichen den Flughafen, wo mehrere Flüge gleichzeitig abgefertigt und die Passagiere nicht über Lautsprecher informiert werden, so dass wir beinahe in den Flieger nach Addis Abeba eingestiegen wären. Dann überstehen wir noch eine längere Wartezeit in Johannesburg und landen am Samstagmorgen gegen 7 h in Frankfurt.
Wir sind wieder zu Hause. Als wir nach Afrika aufbrachen, hat offensichtlich auch der Frühling hier einen Abflug gemacht. Uns erwartet eine Schneelandschaft und sibirische Kälte.