Schrebergarten kaufen: So geht’s!

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Wer das erste Mal mit der Idee spielt, dem inneren Spießer nachzugeben sich einen Kleingarten anzuschaffen, merkt schnell, dass die Suche nach einem passenden Objekt garnicht so einfach ist. Ein wenig gegoogelt, stößt man auf Informationsseiten der Bundesländer, der Bundesverbände für Gartenfreunde oder die der Kleingartenvereine selbst. Und dort ist dann die Rede von Wartelisten, Geduld und Kompromissen. Viele Vereine haben keine freien Kapazitäten, Besitzerwechsel finden nur selten statt und wenn, dann stehen schon 8 andere auf der Warteliste. Da ist die anfängliche Euphorie dann schon etwas gesunken.

Schrebergarten-kaufen

Nun könnte man sich auch als neunter auf die Warteliste setzen lassen. Gefällt den anderen Parteien die freie Parzelle nicht, so kommt man selbst irgendwann an die Reihe. Vielleicht auch erst beim nächsten Mal, beim übernächsten, überübernächsten oder dannach… Und wenn einem das Grundstück dann auch nicht gefällt? Oder die fälligen Baumaßnahmen oder die Ablösesumme finanziellen Rahmen sprengen? Tja, dann heißt es weitere warten.
Lasst Euch nicht beirren. Ganz so schlimm ist es dann auch wieder nicht. Mit ein bisschen System und proaktiver Suche, lässt sich der Traum vom Kleingarten nämlich trotzdem recht schnell umsetzen. Wir brauchten genau 3 Wochen von der Idee zur Unterschrift.

Grundüberlegungen für Euren Schrebergarten

Der erste Schritt auf dem Weg zum eigenen Kleingarten beginnt mit der Formulierung der eigenen Wünsche und Vorstellungen:

  • In welchem Radius soll sich der Garten befinden?
    Seit Ihr wirklich bereit, jedes Wochenende zwei Stunden zu fahren? Bietet ein Kleingarten in direkter Umgebung auch genügend Abwechslung?
  • Wie sieht Euer finanzieller Rahmen aus?
    Die Ablösesumme sollte im Idealfall darunter liegen, denn möglicherweise werdet Ihr auf dem neuen Grundstück in Reparaturen, Geräte, Möbel, etc… investieren müssen.
  • Wie wichtig sind die Größe des Gartens und des Hauses?
    Nach dem neuen Bundeskleingartengesetz dürfen Gartenlauben eine Größe von 24qm nicht überschreiten. Einige vor diesem Beschluss gebaute Häuschen genießen jedoch Bestandsschutz.
  • Gemeinschaftsleben oder privater Rückzugsort?
    Kleingartenanlagen sind in Vereinen organisiert. Viele dieser Vereine pflegen ein enges Gemeinschaftsleben und legen hohen Wert auf aktive Beteiligung. In anderen müsst Ihr Euch über die vorgeschriebene jährliche Vereinsarbeit hinaus nicht weiter engagieren.
  • Wie viel Arbeit möchtet Ihr zu Beginn investieren?
    Mit ein wenig Glück findet Ihr ein schlüsselfertiges kleines Paradies. Wahrscheinlicher ist aber, dass nach der Übernahme noch Arbeiten in gewissem Umfang anfallen.

Offizielle Wartelisten

Seid Ihr Euch über die Grundidee erstmal im Klaren, könnt Ihr Euch auch schon auf die Suche begeben. Ich war überrascht, wie viele Kleingartenverbände es in meiner Wohnortnähe gibt. Ein paar Kolonien, an denen ich hin und wieder vorbeifahre kannte ich zwar, doch bin ich bei meiner Recherche noch auf viele weitere gestoßen. Über die Webseite des Bundesverbandes für Deutsche Gartenfreunde, kommt Ihr zu dem, für Euren Wohnort zuständigen Landesverband. Von dort aus navigiert Ihr weiter. In Berlin wendet man sich direkt an die zuständigen Bezirksverbände. Dort kann man vorsprechen und sich in die Warteliste eintragen lassen. Ihr könnt dort auch teilweise schon Präferenzen zum finanziellen Rahmen, etc… angeben. Seid Ihr in der Liste an obere Stelle gerückt und ein Garten wird frei, so werdet Ihr informiert und könnt diesen besichtigen. Je nach Wohnort, kann der Vergabeprozess eine ganze Weile dauern. Daher empfehle ich Euch, parallel auch im Internet nach Angeboten zu suchen.

Vergabeprozess für Kleingärten

Will ein Pächter seinen Schrebergarten aufgeben, bekommen erst einmal drei Anwärter der Warteliste die Möglichkeit,  diesen zu besichtigen und sich für ihn zu entscheiden. Häufig kommt es aber vor, dass am Ende keiner der drei sich für die Parzelle entscheidet. Das kann von der Ablösesumme über die Beschaffenheit der Laube, anstehende Reparaturen bis hin zu den Nachbarn vielfältige Gründe haben. Irgendwas, das Euch vielleicht nicht so wichtig ist. Nachdem drei Anwärter den Garten abgelehnt haben, darf der Pächter auch eigenständig einen Nachpächter suchen. Und da ist Eure Chance! Denn an dieser Stelle könnt Ihr eigenständig mit dem Pächter in Kontakt treten, unabhängig von irgendwelchen Wartelisten.

Kleinanzeigen: Hier findet Ihr Euren Kleingarten

Wir hatten Glück und wurden über unsere Internetrecherche so schnell fündig, dass wir uns den Weg über die Bezirksverbände sparen konnten. Ich empfehle beides zu versuchen. Lasst Euch für Eure Wunschkolonien eintragen, damit Ihr über freiwerdende Parzellen dort informiert werdet und begebt Euch parallel selbst auf die Suche.

  • eBay Kleinanzeigen
    Gebt einfach euren Wohnort oder Suchradius bei eBay Kleinanzeigen ein und sucht dann nach Begriffen wie „Kleingarten“, „Schrebergarten“, „Datsche“, „Parzelle“ und „KGA“ (Kleingartenanlage)
  • E-Mail Benachrichtigungen
    Richtet Euch Benachrichtigungen ein. Ihr könnt Euch für all Eure Suchwörter E-Mail Benachrichtigungen einrichten. Klickt nach Eingabe Eures Suchwortes auf den kleinen blauen Link oberhalb der Ergebnisse „E-Mail-Benachrichtigung für diese Suche“ und gebt Eure E-Mail Adresse an. Von nun an erfahrt Ihr immer als erste, sowie ein neues Inserat mit Eurem Suchwort veröffentlicht wird und könnt schnell den Anbieter kontaktieren.
  • Vereinswebseiten
    Wenn Ihr die Namen Eurer Wunschanlagen kennt, könnt Ihr diese in Google suchen. Viele verfügen über eigene Webseiten. Einige listen dort sogar freie Parzellen auf. Ruft bei den Vereinen an und fragt persönlich nach. Die Listen sind häufig nicht aktuell. Die Vereinsvorstände wissen am besten, wo bald etwas frei wird und welches Grundstück bisher keinen Mieter gefunden hat.
  • Weitere Inserate
    Hier findet Ihr weitere Anzeigen zum Thema Kleingarten: kleingartenwelt.de und quoka.

Bei uns dauerte es etwa 2 Wochen, bis wir durch unsere Recherche, hauptsächlich über eBay Kleinanzeigen einige Grundstücke ausgemacht hatten, die uns augenscheinlich gefielen. Ursprünglich wollten wir einen Garten ganz in unserer Nähe, um auch unter der Woche schnell mal „raus“ zu können. Dennoch stand auch ein etwas weiter entfernter Garten auf unserer Liste. Je intensiver man sucht, desto mehr kristallisiert sich dann auch heraus, an welchen Stellen man vielleicht noch Abstriche machen muss und wo man eher bereit ist, Kompromisse einzugehen.

Wir legten uns vier  Besichtigungstermine auf einen eiskalten Sonntag im November – Übrigens ist der Winteranfang eine hervorragende Zeit, um sich einen Garten anzuschaffen, da die Nachfrage zu dieser Zeit besonders gering ist. Der erste Kleingarten, den wir an diesem Tag besichtigten war ca. eine Fahrradstunde entfernt und ich fror unterwegs so sehr ein, dass ich schon auf halber Strecke aufgeben und nicht mehr weiterfahren wollte. Eigentlich wollten wir ja eh einen Kleingarten in der Nähe. Zum Glück zwang ich mich dennoch hin. Ich habe mich sofort in den Garten verliebt. Wir waren die ersten, die an diesem Tag zur Besichtigung kamen und da wir sofort Feuer und Flamme waren, versprach uns der Kleingartenvorsitzende auch das Vorzugsrecht des Erstbewerbers, sollten wir uns für den Garten entscheiden. 

Besichtigungen, Kosten und Verhandlungen

Bei Besichtigungen solltet Ihr Euch immer das Schätzprotokoll zeigen lassen, um den Wert der Laube und eventuelle Auflagen zu prüfen. Dort findet ihr nämlich auch Informationen über mögliche anstehende Rückbauten. Wegen Änderungen im Kleingartengesetz dürfen Lauben inzwischen nur 24 qm groß sein. Besteht kein Bestandsschutz oder wurden neben der Laube noch weitere Anbauten gemacht, so müsst Ihr Euch möglicherweise um den Abriss kümmern und das kann kosten. Auch preislich sollte das Protokoll eher als Orientierungsgrundlage helfen. Nicht immer sind alle Posten korrekt aufgeführt und beziffert. Auf dem Protokoll unseres Gartens fehlten beispielsweise die Fenster komplett, welche allesamt so kaputt waren, dass wir sie austauschen mussten. Das ist nicht billig, also haben wir nachverhandelt. Auf einem anderen Protokoll wurde der Abriss des Toilettenhauses bestimmt, weil sich dieses laut Gesetz nicht außerhalb der Laube befinden dürfe. Falls ihr irgendwann mal vorhabt eine Toilette zu besuchen, müssen solche Punkte natürlich berücksichtigt werden.

Schrebergarten-kosten

Letztendlich bestimmt der Vorbesitzer den Preis. Das Schätzprotokoll sollte nur zur Orientierung dienen. Je nach Qualität und Beschaffenheit der Laube liegen die Preise zwischen etwa 2000 und 5000€, können in Ausnahmefällen aber auch weit drüber oder drunter liegen. Da Ihr auch direkt an ihn zahlt, könnt Ihr ihn auch über die Möglichkeit einer Ratenzahlung befragen. Das empfiehlt sich allerdings nur, wenn es nicht allzu viele Bewerber gibt, die bereit sind, sofort zu zahlen. Zusätzlich zur Übernahmesumme, wird beim Abschluss in der Regel noch eine Verwaltungsgebühr fällig. In unserem Fall betrug diese 350€, die wir direkt ans Bezirksamt überweisen mussten.

Regelmäßige Kosten für den Kleingarten

Als Kleingärtner zahlt Ihr eine jährliche Pacht, sowie entsprechende öffentliche Abgaben und Steuern, die sich an der Größe Eures Gartens bemessen. Da ein Garten für jeden Bürger finanziell tragbar sein sollte, sind diese Kosten sehr überschaubar. Dazu kommen Wasser, Strom, Müllabfuhr, Versicherung und der Vereinsbeitrag. Alles in allem können die Kosten, je nach Grundstück und Lage zwischen 350€ und 550€ jährlich liegen. Da es sich, wie gesagt um jährliche Kosten handelt, müsst Ihr diese ggf. nicht gleich bei Übernahme des Grundstücks entledigen, sondern erst am nächsten Fälligkeitsdatum.
Will der Verein eine größere Anschaffung, einen Umbau, kostspielige Feste oder dergleichen durchführen, kann es sein, dass Ihr Euch ebenfalls anteilig an den Kosten beteiligen müsst. Das ist aber eher die Ausnahme und wird immer von den Mitgliedern demokratisch entschieden. In der Regel wird im Kleingartenverein dann doch eher selbst angepackt, was Kosten gering hält.

Drei, zwei eins… meins!

Prinzipiell ist jetzt alles erledigt: Ihr habt Euch mit dem Verkäufer geeinigt, die Verwaltungsgebühr entrichtet, der Vereinsvorstand ist mit Euch einverstanden… und haltet nach der Übergabe beim Bezirksamt endlich die Schlüssel zu Eurem neuen Paradiesgarten in spe in der Hand. Tolles Gefühl, oder? :) Wichtig ist bei der Übergabe, dass Ihr Euch die Versicherungsunterlagen genau anschaut. Ihr könnt zwar die vom Vormieter übernehmen, aber die Konditionen sind nicht unbedingt die besten, vor allem, da manche Verträge schon seit Jahrzehnten existieren und die aufgeführten Summen dadurch nicht mehr zeitgemäß sind. Unsere Versicherung beispielsweise hat eine Deckungssumme von 2500€ – weit unter dem Wert des Häuschens. Schaut da also nochmal genau drauf und lasst das entweder anpassen oder wechselt gleich die Versicherung. Die Feuersozietät bietet zum Beispiel eine Versicherung speziell für Kleingärten an.

So das war’s aber mit Papierkrieg und Monetenzählerei!!! Krone aufsetzen, Zepter äh Harke in die Hand und ab in den Garten, Zucchinis pflanzen, Kirschen vom Baum essen und Mariechenkäfer beobachten.

 

 

 

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