Auf Safari im Liwonde Nationalpark

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This entry is part 2 of 5 in the series Afrikanische Eindrücke – Malawi

Mvuu Camp

Mittwoch, 6.3.13
Unser heutiges Tagesziel ist der Liwonde-Nationalpark, der ca. 260 km von Lilongwe entfernt ist. Ich muss Geld tauschen. Isaac telefoniert mit einer Bank, und die Transaktion erfolgt durch das Busfenster. Ich reiche meinen Euroschein heraus und nehme ein dickes Bündel Kwachascheine entgegen. Isaac weist uns auf einige Gebäude in der Hauptstadt hin, hält aber nirgends, da wir gegen 13 Uhr im Nationalpark erwartet werden. Entlang der Straße sehen wir die Häuser der Malawis. Zum Teil sind es kleine, aber ganz anständige Backsteinbauten mit Wellblechdach, aber auch Elendshütten und bewohnte Ruinen sind zu sehen. Märkte gibt es zu beiden Seiten der Straße. Das Land scheint sehr fruchtbar zu sein, immer wieder kommen wir an Maisfeldern vorbei.

In der Ferne werden Gebirgsketten sichtbar. Wir erreichen die Landstraße, die die Grenze zu Mosambik bildet. Rechts der Straße ist Malawi, links der Straße Mosambik. Man erkennt das an den Beschriftungen der Geschäfte. Rechts englisch, links portugiesisch. Ab und zu wird unser Wagen von Grenzposten kontrolliert. Nun kommt uns ein Konvoi entgegen. Wieder geraten wir in eine Kontrolle. Diesmal werden nicht nur die Isaacs Papiere geprüft, sondern auch uns wird tief in die Augen geblickt. Man grüßt uns freundlich und wir dürfen unsere Fahrt fortsetzen, während auf der Gegenfahrbahn die Limousine der Präsidentin vorbeirauscht.
Gegen 12 h halten wir auf der malawischen Seite der endlos langen Straße. Isaac übergibt jedem von uns ein Picknickpaket. Großen Appetit haben wir nicht, denn gegen 14 h sollen wir ja schon wieder Mittag essen. Mehr aus Höflichkeit machen wir uns über die Fresspakete her, wobei wir uns im Wagen verstecken, damit uns die armen Kinder nicht beim Essen zusehen müssen. Die noch unangerührten Reste übergeben wir Isaac, damit er sie an Bedürftige verteilt.

Weiter geht die Fahrt, seitlich und vorn erkennen wir Gebirge, ab und zu kommt auch ein Fluss ins Bild. Das ist schon der Shire, bedeutet uns Isaac. Endlich erreichen wir die Hippo View Lodge. Hier wird sich Isaac für die nächsten 2 Tage von uns verabschieden. Unser Gepäck wird ausgeladen und auf ein Boot verfrachtet. Nun geht es auf eine einstündige Bootstour zu unserem endgültigen Tagesziel, dem Mvuu Camp am Ufer des Shire. Unser Boot ist ein Schnellboot, verlangsamt aber sofort die Fahrt, wenn Tiere in Sicht kommen. Am Ufer taucht ein Elefant auf, unser erster auf dieser Reise. Plötzlich sehen wir eine ganze Herde Flusspferde. Wir beäugen uns gegenseitig. Immer wieder kreuzen Hippos unseren Weg. Es ist ein einzigartiges Erlebnis. Dazu kommt noch die beeindruckende Flusslandschaft mit ihren Nebenläufen, hohen Gräsern, Wasserhyazinthen und Vogelnestern im Schilf.
Am Steg des Mvuu Camp entdecke ich einen gelben Webervogel, den ich fälschlicherweise für einen Wellensittich halte.

Malawi Lake Nilpferde

Wir werden zum Haupthaus geleitet, wo uns nach der offiziellen Begrüßung etwas über das Camp erzählt wird. Nach Einbruch der Dunkelheit darf man sich auf dem Gelände des Camps nur in Begleitung eines Rangers bewegen, da der nächtliche Besuch von Hippos, Krokodilen und sogar Elefanten hier nicht unüblich ist. Auch tagsüber toben Tiere durchs Camp, die aber nicht gefährlich, sondern eher drollig sind. Die Meerkatzen sind uns gleich aufgefallen, am nächsten Tag begegnen wir vor dem Haupthaus auch Warzenschweinen und sehen, wie andere Touristen von einem Waran begleitet werden. Unsere Chalets werden uns zugeteilt.
Bille und ich sind höchst zufrieden. Von unserem Bungalow blicken wir direkt auf den Fluss und können die Hippos schnaufen hören. Im Bungalow gibt es alles, was man als Tourist braucht, Luxusschnickschnack und hochwertige Elektronik fehlen zum Glück. Nun müssen wir ganz schnell Mittag essen, denn um 16 h werden wir zur ersten Safari durch den Liwonde-Nationalpark aufbrechen.

Am Jeep steht schon ein junger Mann, der sich mir als „Stanford, Dein Fahrer“ vorstellt. Ich überlege noch, wie ich in das Gefährt reinklettern soll, da weist Stanford auf eine Rampe, über die auch Senioren mühelos im Jeep Platz nehmen können. Claudia sitzt schon im Wagen, nun kommt auch Bille. Stanford stellt seinen Assistenten Danger vor und kündigt uns eine dreistündige Safari an. Da es in drei Stunden schon stockfinster sein wird, scheuche ich Sibylle noch mal in den Bungalow, damit sie das Mückenspray holt, denn mit Einbruch der Dunkelheit kommen die Malariamücken. Nachdem Bille wieder an Bord ist, fahren wir aus dem Camp heraus auf eine Wiese und schon sehen wir die ersten Warzenschweine sowie Impalas, die auf den Wiesen zu beiden Seiten des Weges friedlich grasen. Dann begegnen uns Affen, ein Zebra flüchtet, Buschböcke kreuzen unseren Weg. Stanford und Danger machen uns auf viele bunte Sing- und Raubvögel aufmerksam, nur das schwarze Nashorn hält sich beharrlich versteckt, möglicherweise weil Claudia wie ein Wasserfall redet. Sie war schon während der Busfahrt sehr redselig gewesen. Einige Bemerkungen Claudias waren recht unsensibel und lassen darauf schließen, dass sie eine verwöhnte Vertreterin der Wohlstandsgesellschaft ist, die sich in die Situation armer Leute nicht hineinversetzen kann. Nach einer Weile erreichen wir das Ufer des Shire. Unsere Guides haben ein kleines Picknick vorbereitet, also steigen wir aus und genießen die romantische Abendstimmung. Als Stanford wegen der Insekten immer öfter um sich schlägt, klettern wir wieder in den Jeep und machen uns auf den Rückweg. Danger sitzt jetzt auf einem Sitz, der an der Kühlerhaube angebracht ist und leuchtet mit einem Scheinwerfer das Gebüsch rechts und links des Weges ab. Tatsächlich erspähen wir ein paar Hippos, ansonsten nur Tiere, die wir auch schon bei Tageslicht gesehen hatten.

Zurück im Camp, werden wir von einem Ranger zu unseren Chalets gebracht und dann zum Abendessen wieder abgeholt. Gegen 21 h begleitet uns der Ranger wieder zur Unterkunft, Bille beschäftigt sich noch ein wenig mit ihrem Tablet, während ich noch ein halbes Stündchen im Dunklen auf der kleinen Terrasse unseres Chalets sitze und in den afrikanischen Sternenhimmel gucke.

Afrikanische Safari-Abenteuer

Donnerstag, 7.3.13
Um 8:30 h brechen wir zu einer weiteren Bootsafari auf. Schon beim Frühstück hatte man uns auf Elefanten am anderen Flussufer aufmerksam gemacht. Wir steuern das gegenüberliegende Ufer an. Vor uns grast eine über 40 Tiere große Herde. Die Elefanten sind überhaupt nicht scheu. Sie beachten uns gar nicht. So können wir sie ausgiebig beobachten und fotografieren. Wir können uns gar nicht satt daran sehen, wie sie sich mit den Ohren Luft zufächeln und mit dem Rüssel Futter aufnehmen. Schließlich setzen wir unsere Fahrt fort, begegnen noch ein paar Nilpferden und Seeadlern, dann kehren wir um. Inzwischen haben die Elefanten beschlossen, ein Bad zu nehmen. Einige Jungbullen kämpfen spielerisch miteinander, andere Tiere bespritzen sich mit Wasser. Tief beeindruckt setzen wir zum Lunch ans andere Ufer über. Jetzt haben wir noch etwas Zeit bis zur zweiten Jeepsafari. Sibylle und ich nutzen den Swimmingpool, Claudia sammelt sich, wie sie es nennt.

Wasser Safari Malawi - Elefanten

Auf der heutigen Nachmittagssafari haben wir Gesellschaft. Ein holländisches Ehepaar um die 60 begleitet uns. Offensichtlich sind die Leute sehr wohlhabend. Der Mann ist Brückenbauingenieur und hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet, auch die Frau ist noch berufstätig und kann ihren Beruf überall ausüben. Sie waren schon monatelang nicht mehr in Holland. Claudia versucht immer wieder, die Leute mit ihren Reiseerfahrungen zu beeindrucken, aber vergebens.
Obwohl wir denselben Weg wie gestern nehmen, ist es diesmal etwas anstrengender, denn die Wege sind vom nächtlichen Regen aufgeweicht, wir müssen tiefe, schlammige Furten durchqueren. Ich fürchte, meine Lendenwirbelsäule könne versagen, denn ich habe nach dem Baden im Pool mein Stützkorsett vergessen. Dazu kommt Cludias Redefluss. Das verschreckt die Tiere, Billie und ich sind genervt. Ich flüstere Bille zu, dass ich schon mal in Dresden gewesen sei und sie antwortet mir auch im Prenzlberg sei es sehr schön. Endlich sehen wir Elefantenscheiße. Wenigstens etwas! Jetzt erspähen wir 2 Kudus. Solche Riesenantilopen waren uns am Vortag nicht vor die Linse gekommen. Auf ein paar toten Bäumen lauern Marabus auf Beute. Auch in der Wiese neben uns laufen diese großen Vögel herum. Plötzlich fliegen zwei Marabus über uns hinweg. Einer von ihnen hat etwas Langes im Schnabel, das die Holländer als kleinen Waran identifizieren. Unserer tierlieben Claudia entfährt ein bedauerndes „ooohh“. Bille und ich grinsen. Wieder halten wir zu einem kurzen Picknick am Flussufer, nur ist diesmal unser Jeep defekt. Wir müssen auf einen anderen Wagen warten, der unseren Guides einen Wagenheber mitbringt. Ich bin nun doch etwas ängstlich und fürchte, die Flusspferde könnten das Wasser verlassen, bevor ich wieder in den Jeep klettern kann, aber alles geht gut. Auch diesmal ist die Fahrt in der Dunkelheit wenig ergiebig.

Impalas Liwonde Malawi

Wir essen dann zusammen mit den Holländern zu Abend. Auch Stanford isst mit uns, was der Holländer „ungewöhnlich“ findet. Claudia und die Holländer unterhalten sich auf Deutsch über Berlin und die Berliner, die sie übereinstimmend für äußerst schwatzhaft halten. Billie und ich werfen uns spöttische Blicke zu, was unserem Stanford nicht entgeht. Ich übersetze Standford also, was da eben erzählt wurde und verrate ihm auch, dass Bille und ich in Berlin zu Hause sind. Dann frage ich ihn geradeheraus: „Do you think WE are talking too much“? Nun lacht auch Stanford.

Ich beschließe den Abend wieder auf der Terrasse unseres Chalets, indem ich mich an dem phantastischen Sternenhimmel nebst Glühwürmchen erfreue. Bille nutzt noch ein wenig das Internetzentrum des Camps und schließt sich dann ein paar jungen Leuten am Lagerfeuer an. Auch Claudia sitzt noch am Lagerfeuer. Dort wird überraschend ein Baumstamm lebendig und entpuppt sich als großes Krokodil, das blitzschnell im Wasser verschwindet. Nach diesem Erlebnis nimmt man die Warnung vor großen Tieren ernst und lässt sich brav von Rangern zu den Hütten begleiten.

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