Anständig essen: Ein Selbstversuch

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Anständig Essen, Karen DuveAnständig essen… viele werden damit eine ausgewogene, gesunde und im besten Fall noch diätische Ernährungsweise in Verbindung bringen. Aber Anstand, das bedeutet auch Respekt, Achtsamkeit und Wertschätzung. Karen Duve, selbst einst unbekümmerte Fleischesserin schildert in diesem Buch ihren Weg zu diesem Anstand, der sich nicht nur auf ihre Ernährung beschränkt, sondern auch eine bewusste Lebensweise umfasst, ein ständiges Nachfragen und Nachdenken: Woher stammen die Dinge die ich konsumiere? Wie wurden sie produziert? Warum sind sie so preiswert? An welcher Stelle wurde gespart?

Vom Brathähnchen zum Brokkoli

Karen Duve isst Fleisch, am liebsten Brathähnchen für 1,99 €, schon grillfertig abgepackt aus der Aluschale, die man nur noch 40 Minuten im Ofen erhitzen muss, um sie im Nu und ohne weiteres Zutun in ein leckeres Abendessen zu verwandeln. Einfach und günstig. Eigentlich das perfekte Essen. Oder vielleicht doch nicht?

Karen Duve will es testen. In Anständig Essen schildert sie auf unterhaltsame Weise, wie sie sich in einem Selbstversuch durch verschiedene Ernährungsweisen, angefangen mit Bio, dann vegetarisch, gefolgt von einer veganen Phase bis hin zum Frutarismus durchisst. Erst am Ende trifft sie eine Entscheidung, wie sie sich fortan ernähren möchte und es ist definitiv nicht die Art, die sie sich zu Beginn des Projektes vorgestellt hatte.

In ihrer kurzweiligen Erzählweise schildert sie die ganz alltäglichen Probleme auf dem Weg zur veganen Lebensweise. Es geht um Verzicht und Anstrengung, aber auch um neue Sichtweisen, um Reflektion und Verantwortung. Viele LeserInnen werden sich wiederfinden in den geschilderten Alltagshürden denen ein Veganer nahezu ständig begegnet, denn nicht nur in der Nahrung, auch in Kleidung, Kosmetika, Schuhen, ja sogar dem eigenen Portemonnaie steckt teilweise unverantwortbares Tierleid.

Fazit

Anständig Essen regt zum Nachdenken über die eigene Verantwortung gegenüber fremden Lebens an. Veganer werden ihren Spaß daran haben, viele Situationen aus dem Alltag wiederzuerkennen. Gleichzeitig kann es ihnen helfen zu verstehen, wie schwierig die Umstellung von omnivor auf vegan für einen Fleischesser ist, der es gewohnt ist, sich im Supermarkt ohne viel nachzudenken einfach in den Korb zu packen, worauf er gerade Lust hat.

Vor allem aber ist es ein tolles Buch für Nicht-Veganer und Einsteiger, die viel über die Produktion und Verarbeitung von tierischen Produkten nicht nur in unseren Lebensmitteln, sondern auch alltäglichen Konsumgütern erfahren. Dabei mahnt Frau Duve nie mit erhobenem Zeigefinger, ist nicht missionarisch, sondern gibt viel mehr zu verstehen, dass der Weg zu einem verantwortungsvollen Handeln eben nicht leicht ist vor allem für einen Fleischesser. Manchmal will man sich nicht umständlich erklären müssen vor dem Restaurantkellner, der beim Wort vegan verstört mit den Augen rollt, manchmal hat man eben ganz riesigen Appetit auf ein Steak. Aber will man das? Nach allem was man bis hier erfahren hat? Nein, eigentlich nicht…

 

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