Ankunft in Madrid – Der Beginn einer Liebe

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Madrid… mein heimlicher Spanischer Verehrer, so vielschichtig, dass ich immer wieder Neues an ihm entdecke, so geistreich,  dass er mich inspiriert zu großen Träumen, so vertraulich wie ein alter Freund. Zwei Jahre habe ich dort gelebt, und nun, wieder zwei Jahre später fühle ich mich immer noch wie ein Teil dieser Stadt. Und natürlich spüre ich, dass auch ich ihr fehle. Ich bin jetzt öfter zu Besuch. Ein paar Mal im Jahr, sonst wird die Sehnsucht zu groß.
Insgesamt vier Wohnungen habe ich in Madrid bezogen. Ich hatte einen Job. Sechs paar Rollschuhe. Und Freunde, viele Freunde. Denn Freunde findet man schnell in Madrid. Und sie vermehren sich exponentiell.

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Ich erinnere mich noch genau, wie ich in Madrid gestrandet bin. Mit einem riesigen Koffer und einem zweiten, nicht ganz so riesigen. Avenida de América war das, ein großer Busbahnhof mit mehreren Etagen, um dessen Zentrum sich die Busse im Kreis zu schlängeln schienen. Mit einem zärtlichen Stubs zwischen die Schultern schubste mich der Bus auf die kleine dunkle Gasse inmitten des unterirdischen Geflechts von Straßen, vollgestopft mit Bussen aus allen Richtungen. Und meine Koffer gleich hinterher. Und da war ich nun. Madrid – la Capital.

Mein Plan war simpel aber gut. Dem großen Koffer würde ich ein schönes ruhiges Gepäckfach im Bahnhof suchen, um sich von den Strapazen der Reise zu erholen und vor allem mich vor einem mehrfachen Bandscheibenvorfall zu bewahren. Mit dem kleinen, der alle wichtigen Utensilien für meine ersten Tage in der Hauptstadt enthielt, würde ich mich aufmachen, um eine neue Bleibe zu suchen. Alles erledigt würden wir dann unseren dritten im Bunde nachholen. Die erste Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Ich hatte nicht mit der Diskriminierung der Gepäckaufbewahrung gegen nunja… eher beleibtere Gepäckstücke, gerechnet. Mein Koffer war einfach zu dick für das Gepäckfach. Wie ich es auch drehte und wendete, er passte nicht rein. Betteln, mit den Füßen stampfen, weinen und schimpfen. Alles nix gebracht. Mir blieb nichts anderes übrig, als das arme Ding für immer zu verstümmeln. In einem zehn-minütigen Akt und zur Freude aller anderen Bahnhofsbesucher sprang ich immer wieder mit vollem Körpereinsatz auf die Rollen, um diese letztendlich mit reichlichem Drehen und Biegen abzutrennen zu können. Anschließend hob ich den zentnerschweren und stark deformierten Koffer in das von mir für ihn auserkorene Schließfach, stemmte mich nochmal mit voller Kraft gegen die Tür, um dann, die linke Hand weiterhin fleißig gegen die Schranktür drückend, mit der rechten den Schlüssel im Schloss zu drehen. Geschafft!

Zwanzig Kilo leichter trat ich endlich auf die helle Straße und Madrid schloss mich in seine Arme. Auf dem großen Straßenkreuz schoben sich die Autos um die Ecken, hupend an mir vorbei. Die Sonne strahlte, die Luft war staubig und dick. Ich hatte keine Ahnung wohin… Also überquerte ich die Straße und steuerte zur ersten Bar die ich sah. Und ich spürte, dass dieser Ort in meiner Erinnerung von nun an immer mit der verklärten Nostalgie eines ersten Kusses einhergehen würde. Die Atmosphäre war gefüllt von der sehnsüchtigen Aufgeregtheit von Reisenden, der hektischen Beflissenheit Spanischer Kellner und dem Geruch von Café und Croissants á la plancha. Und ich? Ich hatte ein ganz neues Leben vor mir und keine Ahnung wohin es mich treiben würde. Und sog das Gefühl von Abenteuer und Freiheit in mich ein, als könnte ich es durch meine Lungen in mein Innerstes pumpen, an einen versteckten Ort. Und dort bewahren.

 

 

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